Kryptowährung

Ist das die neue Geldanlage?

Erst um 1400 Prozent gestiegen, dann um 60 Prozent gefallen - Spielplatz für Verrückte oder ernsthafte Währung? Einige Antworten zum Hype um den Bitcoin

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Bitcoins und andere digitale Währungen haben im letzten Jahr einen wahren Hype ausgelöst

Wenn sich Oliver Flaskämper an die Anfänge erinnert, schüttelt der Profi den Kopf. »Vor fünf Jahren haben wir im Room 77 in Berlin- Kreuzberg unsere Burger tatsächlich noch mit Bitcoins bezahlt.« Dumm nur, dass damals ein Bitcoin ­lediglich fünf Euro kostete. »Wenn ich ­daran denke, dass man heute für einen Bitcoin mehr als 6000 Euro zahlen muss, war das damals ein ziemlich teures Abendessen.«

Flaskämper weiß, wovon er spricht, wenn es um das Thema Bitcoin geht. ­Heute ist er Vorstand der Bitcoin Deutschland Aktiengesellschaft, die im Internet die ­bekannte Online-Handelsplattform bitcoin.de betreibt.

Neuer Trend. Kaum jemand kann sich dem rasanten Kursanstieg des Bitcoins in den vergangenen zwölf Monaten entziehen. Immer mehr Interessenten drängen auf Plattformen wie bitcoin.de oder bdswiss.com, auf denen man Bitcoins, aber auch andere digitale Währungen kaufen und verkaufen kann. Doch viele, vielleicht sogar die meisten Menschen ­haben kaum eine Vorstellung, wie die neue Währung funktioniert.
 

Wie funktionieren Bitcoins?

Das Grundprinzip, auf dem der Bitcoin beruht, ist eine Art digitales Kassenbuch, das sich aus vielen – zunächst einzelnen – ­Seiten zusammensetzt. »Wenn Sie einen Bitcoin kaufen«, erklärt Flaskämper, »wird dieser Kauf von Tausenden digitalen Buchhaltern im Internet, den sogenannten Minern, registriert und auf einer solchen einzelnen Seite protokolliert«. Diese Seite wird Block genannt. »So ein Block enthält neben den Daten zu Ihrem Kauf weitere Informationen zu Transaktionen von anderen Anwendern.«

Ist die Seite bzw. der Block voll, müssen die digitalen Buchhalter (Miner) eine Rechenaufgabe lösen. Wer diese Rechenaufgabe am schnellsten löst, kann den Block mit den protokollierten Transaktio­nen dann auf einen Stapel mit anderen, bereits fer­tigen Blocks legen. Auf diese Weise füllt sich das digitale Kassenbuch. Zur Belohnung für den neuen Block erhält der Miner 12,5 neue Bitcoins, hat ­damit rund 152 000 Dollar verdient.

Sicherheit. Viele werden sich an dieser Stelle fragen, welchen Sinn diese Prozedur macht. Antwort: Sie bedeutet Sicherheit für alle, die ­Bitcoins besitzen. Denn durch die Verknüpfung mehrerer Blöcke entsteht eine Kette von Blöcken (Blockchain). Heute gilt es als unmöglich, eine solche Blockchain nachträglich zu entschlüsseln oder zu manipulieren. Dazu muss man wissen, dass jedem Block eine Art digitaler Fingerabdruck bzw. eine Prüfsumme zugeordnet ist. Insider sprechen vom sogenannten Hash-Wert. Wird nur ein einziges Zeichen in einem Block verändert, ändert sich auch die Prüfsumme. Dieser Sicherheitsmechanismus wird durch die Verknüpfung mehrerer Blocks zu einer Kette noch verstärkt. Denn eine nachträgliche Änderung des Inhalts in nur einem Block würde durch die Verknüpfung mit anderen Blöcken die Hash-Werte für alle anderen ändern.

Das bedeutet, eine nachträgliche Manipulation einer Transaktion ist praktisch unmöglich. Der Käufer, der für seine Bitcoins mit Euros bezahlt hat, kann also ­sicher sein, dass die Kryptowährung auch bei ihm ankommt und nicht nachträglich ein zweites Mal an einen anderen Käufer verkauft werden kann.

 

Hier wird Geld geschöpft …

Rechenleistung. Während Gold gefördert und Papiergeld gedruckt werden muss, werden Kryptowährungen wie der Bitcoin von weltweit Tausenden Rechnern in Umlauf gebracht. Neue Bitcoins gibt es immer dann, wenn ein Rechner bzw. ein Rechnernetz ein Datenpaket, das mit ­einem Bitcoin-Algorithmus verschlüsselt wurde, entschlüsseln kann. Wie groß die dafür notwendigen Rechenleistungen sind, macht die Strommenge deutlich, die die Rechner dabei verbrauchen. Für eine ein­zige Bitcoin-Transaktion benötigt man gegen­wärtig ungefähr 276 Kilowattstunden Strom.

Wie kaufe ich Bitcoins?

Ein Bitcoin ist im Grunde nichts anderes als ein Code mit 51 Zeichen. Dieser Code wird als privater Schlüssel bezeichnet, der mit einem PIN-Code vergleichbar ist, mit dem man Zugang zu seinem Bankkonto hat. Zu dem privaten Schlüssel gehört außerdem ein öffentlicher Schlüssel, der 31 Zeichen lang ist. Dieser öffentliche Schlüssel ist wiederum mit einer Kontonummer vergleichbar. Er dient dazu, jemandem Geld zu schicken.

Meist werden öffent­liche Schlüssel mittels eines QR-Codes dargestellt. Der QR-Code muss nur gescannt werden, und schon weiß das Smartphone, wohin die Bitcoins überwiesen werden müssen, mit denen Sie einen Händler bezahlen.

Wallet. Um Bitcoins zu kaufen, benötigt man eine Wallet (digitale Geldbörse). Hierbei handelt es sich um eine Software, mit der man Zugriff auf seine Bitcoin-­Adresse hat. So eine Adresse ist nichts ­anderes als eine Transaktionsnummer für die Überweisung. Die Empfänger-Wallet speichert die Adresse und hat ­damit Zugriff auf die für diese Adresse vermerkten Bitcoins.

Es gibt verschiedene Versionen. Sie haben die Wahl, ob Sie eine Wallet auf ­Ihrem Smartphone oder auf Ihrem statio­nären Computer zu Hause installieren möchten. Analog zum Online-Banking gibt es auch Online-Wallets. Ihre Bitcoins sind dann nicht lokal auf Ihrem Rechner, sondern auf einer Internetplattform eines Dienstleisters, etwa bitcoin.de, gespeichert. Wer ganz sichergehen will, kann auch eine Hardware-Wallet wählen. Dabei handelt es sich um eine Art USB-Stick.
 

Wie hoch ist der faire Wert?

Ähnlich wie bei einer staatlichen Bank­note, etwa dem Euro, kann man dem ­Bitcoin keinen realen Wert zuordnen. Der stützt sich wie bei jeder Währung ausschließlich auf das Vertrauen, dass Händler und Dienstleister das Geld als Zahlungsmittel akzeptieren.

Bis 1971 war das anders. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Wert der staatlichen Währungen in den westlichen Industriestaaten über die Golddeckung des Dollar als Leitwährung garantiert. Da Gold begrenzt verfügbar ist, war eine inflationäre Ausdehnung der Geldmenge wegen der Bindung des Dollars an das gelbe Metall nicht möglich. Damals entsprach eine Feinunze Gold 35 Dollar. Aufgrund der hohen Rüstungsausgaben für den Vietnamkrieg kündigten die USA die Gold­bindung des Dollars. Das Bretton-Woods-Abkommen, das diese Goldbindung und die Kopplung der anderen Währungen an den Dollar regelte, wurde im Jahr 1973 aufgekündigt. Heute zahlt man für eine Feinunze Gold 1 321 Dollar.

Was ist der Vorteil?

Normalerweise wird bei einer Währung die Geldmenge durch die Zentralbank gesteuert. Das gibt es beim Bitcoin nicht. Statt einer Zentrale regelt ein sogenanntes Peer-to-Peer-Netzwerk alle Transak­tio­nen. Das bedeutet, alle Marktteilnehmer sind direkt mit ihren Rechnern über das Internet miteinander verbunden. Sie kontrollieren die Zahlungsströme – und was noch wichtiger ist: die Geldmenge. Die Anhänger der Kryptowährungen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer Demokratisierung der Geldpolitik.

Geldmenge. Der Bitcoin unterliegt damit in Sachen Geldmenge keinem staatlichen Monopol. Die maximale Geldmenge ist auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt. Davon sind derzeit bereits über 16 Millionen im Umlauf. Da der end­gültige Wert von 21 Millionen ungefähr im Jahr 2140 erreicht werden soll, wird das Mining, also die Geldschöpfung, ständig verlangsamt. Gegenwärtig wird alle zehn Minuten ein Block gelöst, sodass 12,5  Bitcoins in Umlauf gebracht werden. Sollten die Miner für die Entschlüsselung weniger als zehn Minuten benötigen – das heißt, es werden mehr Bitcoins als geplant generiert –, wird der Schwierigkeitsgrad für die Lösung der ­Rechenaufgaben durch den Bitcoin-Algorithmus automatisch erhöht.
 

Wie kann ich investieren?

In der Praxis wird der Bitcoin kaum als Zahlungsmittel genutzt. Denn bei ihrem derzeitigen Höhenflug ist die Kryptowährung vor allem als Spekulationsobjekt ­begehrt. Dabei liegt die Betonung auf ­Spekulation. Niemand kennt den realen Wert des Bitcoins. Selbst Profis wie Oliver Flaskämper warnen: »Bitcoins eignen sich nicht für jemanden als Geldanlage, der sein Geld normalerweise auf ein Sparbuch zahlt, denn der Wert unterliegt hohen Schwankungen.« Flaskämper weiter: »Mein Tipp: Wer 500 Euro übrig hat und einen Verlust in dieser Höhe im Fall des Falles verschmerzen kann, sollte das einmal ausprobieren und eigene Erfahrungen mit dem neuen Geld sammeln.«

Doch das Prozedere für Kauf und Verwahrung der Bitcoins ist oft nicht billig und für Laien nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Als Alternative bieten sich deshalb Wertpapiere an, mit denen man indirekt an der Wertentwicklung partizipiert. Dazu gehört unter anderem ein Zertifikat der Bank Vontobel auf den Dollar-Bitcoin- Kurs. »Anleger«, so erklärt Peter Böhme von Com­direct, »sollten sich allerdings bewusst sein, dass sie mit dem Kauf eines ­solchen Zertifikats das gleiche Risiko eingehen, als wenn sie den Bitcoin direkt kaufen.« Hinzu kommt, dass es bei jedem Zertifikat ein sogenanntes Emittentenrisiko gibt. Der Anleger leiht der Bank, die das Papier herausgibt, sein Geld. Geht die Bank im schlimmsten Fall pleite, ist das Geld verloren.

Ausblick. Wer sich für den Bitcoin als Geldanlage interessiert, sollte die Warnzeichen, die sich in jüngster Zeit mehren, nicht ignorieren. So beabsichtigt China, das bislang als eine regelrechte Bitcoin-Hochburg galt, das Schürfen nach Bitcoins (Mining) künftig zu unterbinden. Offizielle Begründung: Die Stromversorgung des Landes sei durch das energie­intensive Mining bereits beeinträchtigt. In Südkorea, wo das neue digitale Geld bisher ebenfalls sehr beliebt war, arbeitet die Regierung nach eigenen Angaben an einem Verbot für die Kryptowährung. Vor dem Hintergrund dieser Nachrichten aus Asien hatte Bitcoin zuletzt einen großen Teil seiner bislang erzielten Gewinne wieder abgegeben.

Geldanlage: Welche Möglichkeiten haben Anleger?

Alternativen. Wer mit Bitcoins handelt, geht dabei meist über Handelsplatt­formen im Internet, die nicht reguliert werden. Als Alternative bieten sich Wertpapiere an, mit denen man an der Wertentwicklung des Bitcoins ­partizipieren kann, ohne die Währung selbst kaufen zu müssen. Vorteil: ­Solche Wertpapiere kann man ganz normal bei seiner Hausbank kaufen.

Exchange Traded Funds. Die populärste Anlageform sind Fonds. Doch die ­beiden amerikanischen Vermögens­verwalter Rafferty Asset Management und Exchange Traded Concepts sind kürzlich mit ihren Plänen gescheitert, zwei sogenannte Exchange Traded Funds aufzulegen, die in Bitcoins investieren. Die US-Finanzaufsicht hatte diese Pläne abgeschmettert.

Terminkontrakt. Seit Kurzem versuchen viele Anleger, Terminkontrakte auf den Bitcoin zu kaufen, die seit Dezember letzten Jahres an der Terminbörse CBOE bzw. der US-Derivatebörse CME in Chicago gehandelt werden. ­Investoren können damit auf fallende oder steigende Kurse des Bitcoins ­wetten. Doch an der deutschen Terminbörse EUREX werden diese Terminkon­trakte bislang noch nicht gehandelt.

Zertifikate. Die einfachste Möglichkeit für private Anleger, indirekt an der Wertentwicklung des Bitcoins teilzuhaben, bieten drei Zertifikate. Das eine kommt von der Schweizer Bank Vontobel (WKN VL3TBC) und bezieht sich auf den Bitcoin-Kurs zum Dollar. Auch die beiden Zertifikate vom schwedischen Anbieter XBT Provider (WKN A18KCN und A2CBL5) bilden den Wechselkurs des Bitcoins zum Dollar ab. Alle Papiere haben keine Laufzeitbegrenzung. Beim Vontobel-Zertifikat entspricht die kleinste handelbare Ordergröße einem Zehntel des jeweils aktuellen Dollar-Bitcoin-Kurses. Bei den beiden XBT-Zertifikaten beträgt das Bezugsverhältnis 0,5 Prozent bzw. 5 Prozent des aktuellen Bitcoin/Dollar-Kurses.

Zahlungsmittel: Wo kann man mit Bitcoins einkaufen?

Akzeptanzstellen. Gegenwärtig lässt lediglich Japan als einziger Staat den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel zu. Unabhängig davon akzeptieren Unternehmen in anderen Ländern auf eigenes Risiko die Kryptowährung als Zahlungsmittel für ihre Produkte und Dienstleistungen. In Deutschland gehören dazu so große Namen wie Microsoft oder der amerikanische Computerriese Dell. Selbst ein Bäcker in Berlin-Grunewald plant, den Bitcoin demnächst als Zahlungsmittel für Brötchen und Kuchen zu akzeptieren.

Geldautomaten. Anfang Dezember 2017 gab es weltweit ca. 1 250 Bitcoin-Geldautomaten, die meisten davon in den USA und Kanada. In Deutschland gibt es nur zwei. Der eine steht am Husmannplatz in Bochum, der andere in der Burgerbar Room 77 im Bitcoin-Kiez in Berlin-Kreuzberg. Anders als bei einem gängigen Geldautomaten bekommt man am Bitcoin-Automaten kein Bargeld. Ein QR-Code, den die Wallet auf Ihrem Smartphone erzeugt, wird von dem Geldautomaten gescannt. Auf diese Weise verfügt der Automat über Ihre Bitcoin-Adresse und überweist den gewählten Betrag dorthin. Dafür müssen Sie den Geldautomaten mit Euro-Geldscheinen »füttern«. Mit Ihrer Wallet auf Ihrem Smartphone und Ihrem neuen Bitcoin-Guthaben zahlen Sie dann bei Händlern usw. digital.

Steuern & Gebühren. Gewinne, die man mit dem Verkauf von Bitcoins erzielt, müssen versteuert werden. In der Schweiz können Steuern teilweise aber umgekehrt auch mit Bitcoins bezahlt werden. In Chiasso, einer Kleinstadt in der italienischen Schweiz, kann man Steuern von bis zu 250 Schweizer Franken in der Kryptowährung begleichen. 2016 hat die Schweizer Gemeinde Zug mit etwa 30 000 Einwohnern ein Pilotprojekt gestartet. Wer bestimmte Leistungen der Stadtverwaltung bis zu einem Betrag von 200 Franken (rund 180 Euro) in Anspruch nahm, kann die auch mit Bitcoins bezahlen.

 

Erstellt am 13.03.18

Artikel von Joerg.Baumgarten verfasst
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