Neue Steuerurteile

Das Arbeitszimmer als Geldquelle

Bislang war es kaum möglich, Kosten für ein Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen. Es gibt allerdings zahlreiche neue Ausnahmen, die Sie unbedingt kennen sollten.

Es steht ein Schreibtisch drin und ein Stuhl. Meist ein Computer und ein Bücherregal. Es darf sogar eine Couch zur Möblierung gehören. In jedem Fall ist das häusliche Arbeitszimmer Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern. Und diese gehen gerade in die dritte Runde. Lange Zeit wurden so gut wie alle Ausgaben rund um den ominösen Raum steuerlich anerkannt. In den vergangenen zehn Jahren ging dagegen fast gar nichts mehr. Doch neuerdings schlagen sich wieder immer mehr Richter – von der ersten Instanz bis hoch zum Bundesfinanzhof – auf die Seite der arbeitenden Bevölkerung. Und rütteln damit an der offiziellen Rechtslage.

Voraussetzungen Nach dieser müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein, um die Kosten fürs Arbeitszimmer abzusetzen. Erstens: Der Steuerzahler darf anderswo keinen anderen Arbeitsplatz haben. Zweitens: Wenn dies der Fall ist, und das Arbeitszimmer trotzdem nicht den Mittelpunkt seiner beruflichen und betrieblichen Tätigkeiten bildet, darf er immerhin bis zu 1 250 Euro pro Jahr steuerlich absetzen. Drittens: Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt seiner Tätigkeiten, kann er die anfallenden Kosten in voller Höhe ansetzen. In der gerichtlichen Praxis gibt es davon jedoch zahlreiche interessante Abweichungen.

Rentner: Nebenjob kann sich lohnen

Bisher ließ das Finanzamt bei Rentnern höchstens 1 250 Euro als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben für ein Arbeitszimmer zu. Schließlich beziehe jeder Rentner zu seinem Nebeneinkommen eine Altersrente. Aus diesem Grund stelle das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeiten dar. Dieser Argumentation haben die Richter des Bundesfinanzhofs die rote Karte gezeigt. Bei der Frage, ob das Arbeitszimmer der Mittelpunkt für einen Rentner ist, bleiben die Renteneinnahmen unberücksichtigt (BFH, Urteil vom 11.11.2014, Az. VIII R 3/12). Das heißt: Wer als Rentner einen Nebenjob nachweisen kann, darf unter Berufung aufs oberste Finanzgericht alle Kosten fürs Arbeitszimmer ansetzen.

Außendienstmitarbeiter: So müssen Sie argumentieren

Angestellte Vertreter, die tagsüber bei Kunden unterwegs sind und die Büroarbeit zu Hause erledigen, dürfen bislang ebenfalls nur 1 250 Euro Werbungskosten im Jahr fürs Arbeitszimmer absetzen. Aber auch hier gibt es neuerdings Ausnahmen. Wer alle Werbungskosten absetzen will, muss den Finanzbeamten davon überzeugen, dass er im häuslichen Arbeitszimmer die qualifizierteren Arbeiten wie Kundenakquise, Auftragsannahme und -überwachung und Bearbeitung von Reklamationen erledigt (FG Münster, rechtskräftiges Urteil vom 5.3.2015, Az. 5 K 980/12).

Lehrer: Poolarbeitsplatz

Hat ein Arbeitnehmer im Betrieb einen Arbeitsplatz, kennt das Finanzamt eigentlich kein Pardon. Dann darf sich kein Cent für das Arbeitszimmer steuersparend auswirken. Oft handelt es sich bei dem Arbeitsplatz jedoch um einen sogenannten Poolarbeitsplatz, beispielsweise mit drei Schreibtischen für zehn Mitarbeiter. Das ist relativ häufig bei Lehrern und Außendienstmitarbeitern der Fall. Dann steht dem Abzug der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer von bis zu 1 250 Euro pro Jahr nichts im Weg. Wenigstens 1 250 Euro sind als Werbungskosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzbar, wenn ein Arbeitnehmer mit einem Gutachten nachweisen kann, dass die Lärmbelästigung am Arbeitsplatz über den zulässigen Höchstwerten liegt.

Arbeitslos: Werbungskosten vorziehen

Wenn Sie arbeitslos sind oder wegen Ihres Kindes zu Hause bleiben, können Sie, auch wenn Sie keine Einnahmen erzielen, die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich gelten machen. Das geht immer dann, wenn Sie das Arbeitszimmer nutzen, um sich fortzubilden und so auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbe-reiten. Die Kosten wird das Finanzamt in diesem Fall bis zur Höhe von 1 250 Euro als vorweggenommene Werbungskosten anerkennen. Da Sie im laufenden Jahr keine Einnahmen haben, würden diese Kosten steuerlich verpuffen. Sie können die »Verluste« jedoch in späteren Jahren steuersparend mit Ihren Einkünften verrechnen.

Wie wird gerechnet? Auch das Bad berücksichtigen

Selbst wenn Sie Ihr Bad für 10 000 Euro sanieren lassen, dürfen Sie diese Kosten anteilig dem Arbeitszimmer zuordnen (FG Münster, Urteil vom 18.3.2015, Az. 11 K 289/14 E, Revision beim BFH anhängig). In dem Fall dürften 1 000 Euro für die Badsanierung über das Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden. Dazu ermitteln Sie das prozentuale Verhältnis des Arbeitszimmers zur Gesamtwohnfläche Ihrer Wohnung. Beträgt der Anteil des Arbeitszimmers beispielsweise zehn Prozent der gesamten Wohnfläche, dürfen von den gesamten Wohnungskosten (Miete, Zinsen, Nebenkosten) zehn Prozent als Werbungskosten geltend gemacht werden.     

Bernhard Köstler

Artikel von Gast verfasst
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